Bai e Bem

IMG-20170128-WA0000„Gehen und Kommen“ das war das Motto der letzten beiden Monate.

Auch wenn wir unsere Arbeit auf Fogo in reduzierter Form fortsetzen werden, es war doch ein Abschied – und dann ein Neubeginn im Januar auf der Insel São Vicente.

Maria Antónia, die Leiterin der kapverdischen Frauenvereinigung auf Fogo, würdigte in einem langen Gespräch unseren Einsatz in den letzten Jahren in den Kindergärten der OMCV und hob besonders hervor, dass gerade die unausgebildeten Betreuerinnen sehr von der Anleitung durch unsere Sozialarbeiterin Samira Alves profitiert hätten. „Und wie gut, dass ihr das Thema Kariesprophylaxe und gesunde Ernährung auch weiterhin begleitet. Solche Impulse von außen sind sehr wertvoll für die Motivation der Betreuerinnen.“

Beim Abschied von Franciscas Kinderkrippe, den wir mit kindgerechten Möbeln und Spielsachen unterstützt haben, gab es sogar Tränen.

Am intensivsten war in den letzten Jahren die Zusammenarbeit mit der Kindertagesstätte Nha Nerina. Dort war Samira jeden Donnerstag fest eingebunden mit speziellen Spielangeboten und dem gemeinsamen Zähneputzen mit der Fluoridierungszahncreme Elmex Gelee. (Ein detaillierter Abschlußbericht über das Fluoridierungsprojekt findet sich hier.)

IMG-20170128-WA0001Leiterin Vanilda spendierte uns ein Abschiedsessen bei sich zu Hause und sagte, es sei u.a. ein toller Erfolg, dass seit 8 Monaten als ungeplanter Nebeneffekt im Nha Nerina täglich Zähne geputzt werden. Dies kam auf ausdücklichen Wunsch der Kinder zustande und hat gute Chancen, dauerhaft erhalten zu bleiben.

Und wie in den letzten Jahren haben wir die Geschenke für die Weihnachtsfeier des Nha Nerina finanziert.

Nach unserem Umzug nach Mindelo, der zweitgrößten Stadt der Kapverden auf der Insel São Vicente haben wir dort im Januar unsere Arbeit wieder aufgenommen. Das war nicht so schwierig, da wir unsere Ankunft im letzten Jahr schon gut vorbereitet hatten. 

Zunächst sprachen wir mit Fatima Balbina, der Leiterin des OMCV auf São Vicente. Dann ging es weiter zu Sra. Li­dia Lima, der Stadträtin für Familie und Soziales und Sra. Risolinda, der für Kindergärten zuständigen Abteilungsleiterin. Und schließlich trafen wir noch Sra. Lourença, die Leiterin der Stiftung „Infancia feliz“ [Glückliche Kindheit].

Unser Projekt, in fünf Pilotkindergärten das regelmäßige Zähneputzen einzuführen und Betreuerinnen, Kinder und Eltern für Mundhygiene und gute Ernährung zu sensibilisieren, wurde überall mit großem Wohlwollen aufgenommen, das sich noch steigerte, als wir sagten, dass wir das ganze notwendige Material mitbringen werden. Alle Ampeln sprangen auf grün und wir haben die Kindergärten besucht, um Vorgespräche mit den Betreuerinnen zu führen.

IMG_20170126_115204Unser Projekt sieht vor, in der Anfangsphase jeden Kindergarten einmal wöchentlich aufzusuchen, in jeder Gruppe eine Spieleinheit zum Thema Mundhygiene anzubieten und mit allen Kindern nach der Mahlzeit Zähne zu putzen. Nachdem die Betreuerinnen verstanden hatten, dass sie mit der Angelegenheit nicht alleine gelassen werden, sondern Samira tatkräftig mitarbeiten will, stießen wir auch hier auf offene Türen.

Dank der Spende eines engagierten deutschen Zahnarztes liegen ausreichend Kinderzahnbürsten und Zahnpasta im Büro, 200 Zahnputzbecher haben wir noch gekauft, Mike hat Regale für ihre Unterbringung gebaut und schon ging es los.

IMG_20170126_120021Im weiteren Verlauf des Projektes werden wir auch noch die Eltern mit ins Boot holen und sie zu einer Informationsveranstaltung mit einem Vortrag über Kariesvermeidung und gesunde Ernährung einladen.

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Mundhygiene auf Fogo

lavamos-dentes

Monika mit den Betreuerinnen in Luzia Nunes

In der Zeit vom 19.-25. November war ich zusammen mit meiner Freundin Regina , die Prophylaxehelferin ist, auf Fogo. Wir hatten einen 2 wöchigen Arbeitseinsatz mit den Zahnärzten ohne Grenzen, DWLF, auf Santiago hinter uns und wollten Urlaub machen und auch ein paar Kindergärten besuchen.

An 3 Tagen haben wir 5 Kindergärten besucht und gemeinsam mit Samira ungefähr 100 Kindermünder mit all ihren Zähnchen geputzt. Schnell konnten wir erkennen in welchen Einrichtungen das tägliche Zähneputzen Routine ist oder auch nicht. Auch Samira war überrascht, dass in einem Kindergarten dieses Vorhaben eingeschlafen war.

Die Kinder hingen während der Unterweisung zum Thema gebannt an ihren Lippen und ließen sich zur aktiven Mitarbeit verleiten, es war eine wahre Freude das zu sehen!

Die Untersuchung der Kindermünder, in Anwesenheit der Eltern, brachte folgendes: In der Stadt Sao Filipe, in einem Kindergarten mit gutbürgerlichen Kindern, gab es wenig Karies, obwohl dort nicht geputzt wird. Im ländlichen sehr armen Bereich,obwohl die Betreuerin hochmotiviert ist, leider das Gegenteil. Am schlimmsten aber war es dort, wo Armut und Desinteresse der Kindergärtnerinnen zusammen treffen.

Ein Kindergarten wurde mit der Zahnputzplakette LAVAMOS DENTES ausgezeichnet. Das hat mich ganz besonders gefreut, weil ich diese Einrichtung seit vielen Jahren regelmäßig besucht habe und schon die Hoffnung aufgegeben hatte, dort je etwas zu erreichen. Aber hier zeigte sich, was regelmäßige Besuche und Schulungen durch eine Sozialpädagogin bewirken können.

Des weiteren habe ich in Zusammenarbeit mit Mike für die Zahnärzte ohne Grenzen auf Fogo nach Örtlichkeiten für Ihre Arbeitseinsätze gesucht.

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Gesund im Mund im Nha Nerina

Das Fluoridierungsprojekt in der Kindertagesstätte Nha Nerina hat in den letzten Monaten unerwartete Wendungen genommen. Hier ein Zwischenbericht:

Nach Projektbeginn war die Anzahl der Neuanmeldungen im Nha Nerina sprunghaft angestiegen. Nach ca. einem Monat haben wir die Teilnehmerliste bei 80 geschlossen, denn es musste ja bei jedem Kind ein Interview und eine zahnärztliche Untersuchung durchgeführt werden. Nach Teilnahmeschluß sank die Anzahl der „Projektkinder“, die regelmäßig an der Fluoridierung teilnehmen, wieder deutlich ab. Diese Fluktuation ist u.a. deshalb sehr hoch, weil der Wohnort und die Familien, in denen sich die Kinder aufhalten, oft wechseln.

Gleichzeitig gab es aber natürlich weiter Neuankömmlinge. Um diese nicht zu diskriminieren, erhielten auch sie eine Zahnbürste und haben jeden Donnerstag ebenfalls Zähne geputzt – allerdings nicht mit der Fluoridierungszahncreme Elmex Gelee sondern mit Colgate. Unsere Mitarbeiterin Samira macht außerdem einmal im Monat eine Sensibilisierungsaktion mit Spielen, Malen, kleinem Quiz u.ä.

Im Juni war die Anzahl der „Neuen“ schon deutlich höher, als die der Projektkinder und da das Thema „Zahnpflege“ nun in aller Munde war, entstand der Wunsch auf Seiten der Kinder(!), täglich Zähne zu putzen. Da alle ja eine Zahnbürste haben, konnte dieser Wunsch von den Mitarbeitern der Tagesstätte relativ leicht umgesetzt werden. Ab Beginn der Sommerferien wird jetzt Donnerstags fluoridiert und an den übrigen 4 Wochentagen mit Colgate geputzt – eine unerwartete Entwicklung und ein toller Erfolg. Möglicherweise reicht ja dieser Impuls, um das Zähneputzen im Nha Nerina dauerhaft zu implementieren.

Auf Grund der hohen Fluktuation der Kinder im Nha Nerina steht allerdings zu befürchten, dass unser Plan, einen Vorher-Nachher-Vergleich durchzuführen, nicht umgesetzt werden kann. Bei Projektende im Dezember werden nur noch wenige der Kinder, die an der Eingangsuntersuchung teilgenommen haben, erreichbar sein.

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Armut

Das neue Schuljahr lääuft seit 10 Tagen und die Unterstützung durch die großen Hilfsorganisationen wie z.B. den dänischen Börnefonden reicht bei weitem nicht aus, um alle bedürftigen Kinder mit Schulmaterial zu versorgen.

Da viele sozial benachteiligte Kinder aus der Tagesstätte Nha Nerina auf die Grundschule „Pedro Cardoso“ gehen, haben wir mit der Leiterin Orlanda gestern für die Bedürftigsten ihrer Schüler Lehrbücher, Hefte und Schreibgeräte gekauft.

An dieser Stelle mal ein Wort zu Armut. Sie ist oft nur schwer zu erkennen, denn arme Menschen tun auf den Kapverden (fast) alles dafür, sie zu verbergen. Nur so kann man sich die Hoffnung erhalten, eines Tages der Misere zu entrinnen.

Wenn eine Frau ihre Unterkunft verlässt, ist sie oft top gestylt, alle Details stimmen, die Fußnägel sind bemalt, die Augenbrauen gezupft und auch ein Smartphone ist dabei, Guthaben hat es allerdings nicht. Die Kinder werden in die besten Klamotten gesteckt, die zur Verfügung stehen und das Haar der Töchter ist kunstvoll geflochten.

Zu Hause schläft man mit 5 anderen Familienmitgliedern in einem Raum auf einer Decke auf dem Betonboden, eine Toilette gibt es nicht, man wäscht sich mit Wasser aus dem Eimer und zum Frühstück gibt es Billigkekse und einen Becher Milch aus Milchpulver.

Bekleidung, Schuhe, Billigschmuck und ältere Smartphones stehen zur Verfügung, denn einmal im Jahr kommt ein Fass mit abgelegten Sachen der „reichen“ Verwandschaft aus Übersee. Geld für den täglichen Bedarf ist jedoch Mangelware. Ab und zu kann man eine Gelegenheitsarbeit ergattern, aber das ist weder planbar noch ausreichend. Eine Krankenversicherung kann man nicht bezahlen und wenn ein Arztbesuch unumgänglich wird, ist das eine finanzielle Katastrophe. Und dann ist auch ein Kindergartenbeitrag von 3,00 Euro im Monat schon zu viel.

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Mindelo

In den letzten 2 Wochen haben wir auf der Insel São Vicente Kontakte zu verschiedenen Sozial- und Jugendhilfeeinrichtungen geknüpft, um herauszufinden, ob und wie der Verein „Fogos Kinder“ auch dort aktiv werden kann. Und um es vorweg zu sagen: überall wurden wir mit offenen Armen empfangen.

Als erstes waren wir bei unserer Partnerorganisation OMCV (Kapverdische Frauenvereinigung) und haben mit Leiterin Fatima Balbina gesprochen, die uns ihre uneingeschränkte Unterstützung zugesichert hat. Die OMCV unterhält u.a. einen Kindergarten mit ca. 50 Kindern in Belavista, einem Stadtteil von Mindelo.

Sra. Fatima hat uns dann weitergereicht an Sra. Amelia, die Leiterin der Stiftung für Soziale Solidarität auf São Vicente.

Diese Stiftung besteht seit der Selbständigkeit der Kapverden und unterhält u.a. 3 riesige Kindergärten mit insgesamt ca. 800 Kindern. Einer davon in einem ziemlich verrufenen Viertel am Rande der Stadt, das man abends besser nicht besucht. Er war allerdings, wie die anderen auch, wegen der Sommerferien noch nicht in Betrieb. Die Mitarbeiterinnen nutzten diese Zeit zum Großreinemachen. 

Die Ausstattung dieser Kindergärten erschien uns vergleichsweise gut, denn die großen Einrichtungen verfügen – ähnlich wie auf Fogo – über gute Kontakte zu ausländischen Sponsoren.

Anders dagegen die kleineren Kindergärten in den Ortschaften außerhalb Mindelos. Sozialarbeiter Alveno machte mich z.B. auf den Kindergarten „Piduca“in dem Fischerdorf San Pedro ganz im Süden der Insel aufmerksam. Dieser Kindergarten wurde 2008 von einer Bürgerinitiative gegründet und wird von einem gemeinnützigen Verein verwaltet. Ca. 40 Kinder werden dort von zwei Mitarbeiterinnen betreut. Wie die Leiterin Zulmira sagte, fließen die Hilfen aus öffentlichen Kassen nur sporadisch, aber eine schlichte Mahlzeit kann fast immer angeboten werden. Die Ausstattung mit Spielzeug ist allerdings sehr spärlich und vieles kann man eigentlich nur als „Schrott“ bezeichnen.

Die Vorstellung, nach der Mahlzeit mit den Kindern gemeinsam Zähne zu putzen, war für Zulmira überraschend, fiel aber auf sehr fruchtbaren Boden. Sie meinte, mit einer solchen Kampagne würde eine ganz neue Dynamik bei den Mitarbeiterinnen und Eltern entstehen und auch ihre beiden jungen Kolleginnen wären sicher begeistert. …und sie fragte, ob wir in der nächsten Woche anfangen könnten.

Dann besuchte ich im Rathaus noch Risolinda, die Leiterin des Sozialamtes von Mindelo und zuständig für die gesamte Insel São Vicente. Auch hier stieß ich auf offene Türen. Risolinda sagte u.a., sie kenne keinen Kindergarten auf São Vicente, in dem regelmäßig Zähne geputzt werden. Natürlich wäre das eine tolle Sache, würde aber bislang noch nicht umgesetzt. Wenn wir in dieser Richtung etwas bewegen könnten, hätte dies sicher Signalcharakter und könnte zu einer deutlichen Qualitätsverbesserung in der Arbeit der Kindergärten führen. Im Januar möchte sie uns gerne weitere Kindergärten z.B. in der Ortschaft Salamansa zeigen, in denen Hilfe am dringlichsten benötigt wird.

… und zum Schluß noch ein Foto mit Seltenheitswert: Mindelo im Regen. Das kommt nur ein oder zwei Mal im Jahr vor. 

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