Spielzeug für Kindergärten

Als wir das erste Mal den Kindergarten Santo António besuchten, waren wir von der Ausstattung schon ziemlich erschüttert: es gab keine! Nackter Zementboden, ein paar Tische und für jedes Kind einen Stuhl – das war’s. Dazu die Leiterin lakonisch „immer noch besser als gar kein Kindergarten“.

Andere Kindergärten sind – je nach ihren Sponsoren – da schon besser ausgerüstet, aber besonders auf dem Lande fehlt es an vielem.
Ziemlich triste sieht es auch in der Kindertagesstätte „Nha Nerina“ des ICCA (Kapverdisches Institut für Kinder und Heranwachsende) aus. Hier halten sich Kinder aus präkären Familienverhältnissen vor und nach der Schule auf. Spielzeug für Kinder von 6 – 14 Jahre ist Mangelware. Das hat zur Folge, dass sich die Kinder die Zeit mit wildem Toben vertreiben. Wenn die Mitarbeiter über mehr pädagogisch sinnvolles Spielmaterial verfügen würden, könnten sie auch vermehrt konstruktive Angebote machen und Konzentrationsvermögen und Erfolgserlebnisse spielerisch vermitteln.

Wir haben damit begonnen, unser Reisegepäck immer bis zum Limit mit Spielzeug aufzufüllen und es an diese Kindergärten und an die Kindertagesstätte weiterzugeben. Außerdem  senden wir regelmäßig Pakete an unser Büro in São Vicente. Manche kommen schon nach 20 Tagen an, andere benötigen bis zu 2 Monate, weil sie zur zolltechnischen Untersuchung zurückgehalten werden. Verloren gegangen ist aber nichts.

Wir sammeln gut erhaltenes Spielzeug, das für Kinder von 2 bis 14 Jahren geeignet ist. Besonders begehrt sind Duplosteine, einfache Puzzels, aufblasbare Softbälle, Wachsmalstifte, Memorys, Springseile, Gummitwist und Konstruktionsspielzeug für verschiedene Altersgruppen.

Ein wichtiges Thema in diesem Zusammenhang: das Spielzeug nützt nur dann etwas, wenn die Kinder den Umgang mit ihm kennen oder ihnen jemand zeigt, was man damit machen kann und die Gelegenheit schafft, es auszuprobieren. Das ist die Aufgabe der Mitarbeiterinnen.

Leider gibt es nur sehr wenige ausgebildete Erzieherinnen. Viele Mitarbeiterinnen sind Frauen, deren pädagogische Erfahrung darin besteht, selbst Kinder groß gezogen zu haben. Manche sind wahre Naturtalente, andere weniger. Hinzu kommt, dass insbesondere die Älteren in einer Zeit Kind waren, als es weder Spielzeug noch Kindergärten gab und die Kinder von frühester Jugend an im Haus und auf dem Feld mitgearbeitet haben. Sie haben schlichtweg nie gespielt und ihnen fehlt das Verständnis für den Sinn von „Spielen“.

Deshalb reicht es oft nicht, nur die Spielzeugspenden zu verteilen. Notwendig ist auch, die Mitarbeiterinnen zum gemeinsamen Spiel mit den Kindern zu ermuntern und zu zeigen, dass es überhaupt nicht unter der Würde einer Erzieherin ist, sich gemeinsam mit den Kindern auf den Fußboden zu setzen.