Eine Geschichte aus dem Hinterland von São Filipe.

Zé ist 9, das älteste von 4 Geschwistern. Er lebt im Haus seiner Großmutter oberhalb von Achada Fora – bis zum Ende der Strasse und dann immer den Berg rauf. An seinen Vater kann er sich nicht mehr erinnern, der ist schon vor langer Zeit in die USA emigriert. Auch die Mutter ist schon seit einiger Zeit mit seiner jüngsten Schwester weg nach Portugal. Das Mädchen war sehr krank und wurde zusammen mit der Mutter nach Lissabon evakuiert. Für eine Rückreise stellen die Behörden aber kein Geld mehr zur Verfügung.

Zé lebt jetzt also ohne Eltern aber mit Oma und den beiden Schwestern in einer Baracke in den Bergen. Dort fehlt es an fast allem, auch oft an Reis und Bohnen und die Gr0ßmutter muss bei den Nachbarn um Hilfe bitten. Welche Demütigung!

Zé treibt sich rum – nur nicht in der Schule. Manchmal kommt er tagelang nicht nach Hause und wird von den Ziegenhirten irgendwo am Berg gesehen. Oder er sitzt plötzlich bei Nachbarn in der Küche, wenn die Leute auf dem Feld sind und bedient sich aus dem Suppentopf oder an den Vorräten – abgeschlossen ist ja nirgends. Die Standpauken, wenn er erwischt wird, lässt er über sich ergehen wie einen Regenschauer, antworten tut er nicht mehr. Aber wenn möglich füllt er sich noch die Taschen mit Essbarem für seine Schwestern.

Zé soll eine Macke haben, sagen die Nachbarn – ist ja auch kein Wunder bei dem, was ihm schon alles passiert ist. Die Leute vom ICCA waren auch schon da, aber Zé war gerade wieder unterwegs. Was kann man tun? Auf Fogo gibt es kein Kinderheim, auf der Insel Santiago schon. Aber vielleicht macht das alles nur noch schlimmer und bleiben wird er da bestimmt nicht.

Eine Nachbarin der Familie von Zé ist unserem Verein gut bekannt. Über sie werden wir die Familie ab jetzt regelmäßig mit Lebensmitteln versorgen. Eine Sorge weniger. Vielleicht nützt das ja was.

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Dankeschön

Um den Jahreswechsel herum haben uns zahlreiche e-mails von unseren Kooperationspartnern auf den Kapverden erreicht, die sich auf diese Weise für die Zusammenarbeit und Unterstützung im vergangenen Jahr bedankt haben.

Allen voran Fatima von unserer Partnerorganisation OMCV auf São Vicente, die noch einmal betonte, dass der Kindergarten Arco Iris ohne die Unterstützung unserer Sponsoren, der Lions-Clubs Brilon und Olsberg, nicht mehr existieren würde. 19 Kindern wird dort durch unsere Kindergartenpatenschaften der Besuch ermöglicht.

Ein herzliches Dankeschön kam ebenfalls von Maria Antonia von der OMCV auf Fogo, wo wir in 5 Kindergärten die Teilnahme von Kindern aus prekären Lebenssituationen ermöglichen und von Ana, der Leiterin des Nha Nerina in São Filipe. Dort unterstützen wir die Betreuung von Strassenkindern und solchen ohne feste Familienanbindung.

Alicia von der ADEF, der Einrichtung zur Unterstützung behinderter Menschen, bedankte sich für die Hilfe für Familien mit behinderten Kindern und wünscht alles Gute für das nächste Jahr.

Und auch Bia, die Leiterin der Dorcas, der Hilfsorganisation der Adventistengemeinde, hat in einem persönlichen Gespräch noch einmal unterstrichen, wie wichtig die vielen Material- und Lebensmittelspenden von Fogos Kinder waren. Ohne diese Unterstützung wären viele Familien, die coronabedingt ihre Erwerbsgrundlage verloren haben, in eine existenzielle Notlage geraten.

Dieses Dankeschön möchten wir hier gerne an unsere Mitglieder, Freunde und Sponsoren weitergeben. Und natürlich schließen wir uns dem an und wünschen alles Gute für 2021.

Julia, Iris und Mike vom Vorstand

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Arco Iris

Zum zweiten Mal haben wir zusammen mit unserer Partnerorganisation, der Frauenvereinigung OMCV, Care-Pakete an Familien von Kindern des Kindergartens Arco Iris verteilt. Die Lebenssituation vieler Familien spitzt sich wegen fehlendem Einkommen weiter zu und diese Form der Unterstützung wird aktuell am dringlichsten benötigt. Diese Pakete enthalten neben Grundnahrungsmitteln auch Hygieneartikel, Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel.

Außerdem haben wir die großzügigen Spenden der Lions-Clubs Brilon und Olsberg genutzt, um die Ausstattung des Kindergartens zu verbessern. Jedes Kind hat jetzt eine Plastikbox, in dem sich alles Material befindet, das es benutzt. Das ist eine Vorgabe des zuständigen Ministeriums, die zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus beitragen soll.

Und der Kindergarten Arco Iris wurde als einer der letzten nun auch mit einem Fernsehgerät ausgestattet, das aus diesen Spenden finanziert wurde. Damit ergeben sich u. a. neue Möglichkeiten, unser Mundhygieneprojekt weiterzuführen.

Schon seit April ist es allen Personen außer den Kindern und Betreuern strikt verboten, den Kindergarten zu betreten. Ein direkter Kontakt zwischen unserer Pädagogin Samira und den Kindern war und ist dadurch in den Kindergärten nicht mehr möglich.

Wir haben einige Videos, um Inhalte des Projektes „Gesund im Mund“ auch auf „sozial distanzierte“ Weise zu vermitteln und planen, noch weitere anzufertigen. Diese können nun via TV von den Betreuerinnen in Absprache mit Samira eingesetzt werden, um Themen wie Mundhygiene, Kariesvermeidung und gesunde Ernährung mit den Kindern zu bearbeiten.

Auch in Mindelo hat sich die Ausbreitung des Coronavirus in letzter Zeit stark beschleunigt. Das liegt sicher zum einen an der nachlassenden Bereitschaft der Bevölkerung, Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Zum anderen fehlt es in vielen Familien aber auch schlicht an Geld, um Gesichtsmasken, Seife und Desinfektionsmittel zu kaufen. Die Kirchengemeinde der Adventisten hat eine Aktion ins Leben gerufen, um bedürftige Familien mit diesen Utensilien zu versorgen. Es werden Materialspenden gesammelt, um Kits mit einigen wiederverwendbaren Masken, Desinfektionsmitteln und Seife zusammenzustellen und zu verteilen. „Fogos Kinder“ beteiligt sich an dieser Aktion und stellt 30 dieser Kits zur Verfügung.

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Corona, Jazz und Turtle Dreams

Die Coronapandemie bestimmt auch weiterhin das Leben auf den Kapverden. Schulen und Kindergärten sind seit Anfang Oktober eingeschränkt wieder geöffnet und arbeiten mit strikten Hygienekonzepten. Kindergärten dürfen von den Eltern nicht betreten werden und Kinder und Betreuerinnen wechseln beim Betreten Schuhe und Bekleidung.

In den Schulen wurde neben einem Hygienekonzept die Anzahl der gleichzeitig anwesenden Schüler halbiert mit der Konsequenz, dass jeder Schüler nur 2 – 3 Unterrichtsstunden pro Tag hat.

Die Erfolge der Hygienemassnahmen und der sozialen Distanzregeln sind sichtbar, aber von Insel zu Insel sehr unterschiedlich, was vermutlich mit der Akzeptanz der ungeliebten Regeln in der Bevölkerung zusammen hängt. So gibt es z.B. auf der Insel Fogo derzeit 95 registrierte aktive Coronafälle (250 pro 100 000 Einwohner). Auf der Insel Santiago mit der Hauptstadt Praia sind es 593 aktive Fälle (269 pro 100 000 Einwohner) und auf der Insel São Vicente lediglich 15 Fälle (18 pro 100 000 Einwohner) . Die Testkapazitäten wurden in letzter Zeit zwar deutlich ausgeweitet, aber trotzdem muss überall mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet werden, da wegen der sehr jungen Bevölkerungsstruktur viele Fälle asymptomatisch verlaufen und nicht erfasst werden.

In dieser Woche wurden wir von der Leitung der Kinderkrippe im Stadtteil Ribeira Bote angesprochen und um Unterstützung gebeten. In der Krippe werden aktuell 36 Kinder im Alter zwischen 6 Monaten und 3 Jahren betreut. Voraussetzung für die Aufnahme der Kinder ist, dass die in der Regel sehr jungen Mütter regelmäßig zur Schule oder Arbeit gehen, sich in einer Ausbildung befinden oder an einer Drogentherapie teilnehmen.

Hauptsponsor der Krippe ist die gemeinnützige und in Ribeira Bote ansässige Kulturvereinigung Mornajazz, die seit vielen Jahren auf São Vicente das Morna Jazz World Music Festival auf die Beine stellt. Auch dieses Festival fiel dem Virus zum Opfer und die Geldquelle versiegte. „Fogos Kinder“ wird in den nächsten Monaten einen Beitrag zum Lebensmitteleinkauf bereitstellen, um einen aktuellen Engpass zu überbrücken.

Und noch etwas ganz anderes: um die Wanderung der frisch geschlüpften Schildkröten von ihrem Nest zum Meer mitzuerleben, hat man ein Zeitfenster von nur 20 Minuten pro Jahr und dann muss man auch noch am richtigen Ort sein. Wir hatten also viel Glück, als wir sie am letzten Sonntag am Strand von Calhau beobachten konnten.

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Das war die Jahreshauptversammlung 2020

Am 6.9.2020 fand die diesjährige Jahreshauptversammlung unseres Vereins statt. Nach den notwendigen Formalien ließen wir die letzten 15 Monate Revue passieren und blickten auf eine sehr aktive Vereinstätigkeit zurück.

Wir haben uns in zahlreichen Projekten auf den Inseln Fogo und São Vicente engagiert, wie diese Grafik zeigt.

In den letzten 6 Monaten stand auch unsere Arbeit unter dem Einfluß der Coronapandemie. Da alle Kindergärten und Schulen geschlossen waren, kamen einige Aktivitäten zum erliegen. Statt dessen haben wir uns verstärkt um die Einzelfallhilfe für Familien in prekären Lebenslagen gekümmert, mit lokalen Hilfsorganisationen kooperiert und deren Arbeit durch Einkäufe und Materialspenden unterstützt.

Diese Hilfsangebote werden wir weiterhin fortsetzen, da sich die durch die Coronapandemie verursachte Misere weiter fortsetzen und auch noch verschlimmern wird. Insbesondere der Totalausfall des Tourismus hat zu einer drastischen Verringerung der Erwerbsmöglichkeiten geführt und immer mehr Familien stehen vor existentiellen Problemen. Sollten die Kindergärten – wie aktuell geplant – im Oktober wieder öffnen, werden wir auch die damit verbundenen Projekte wieder aufnehmen.

Detaillierte Informationen enthält der Tätigkeitsbericht 2019/20 des Vorstands.

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