Das war die Jahreshauptversammlung 2020

Am 6.9.2020 fand die diesjährige Jahreshauptversammlung unseres Vereins statt. Nach den notwendigen Formalien ließen wir die letzten 15 Monate Revue passieren und blickten auf eine sehr aktive Vereinstätigkeit zurück.

Wir haben uns in zahlreichen Projekten auf den Inseln Fogo und São Vicente engagiert, wie diese Grafik zeigt.

In den letzten 6 Monaten stand auch unsere Arbeit unter dem Einfluß der Coronapandemie. Da alle Kindergärten und Schulen geschlossen waren, kamen einige Aktivitäten zum erliegen. Statt dessen haben wir uns verstärkt um die Einzelfallhilfe für Familien in prekären Lebenslagen gekümmert, mit lokalen Hilfsorganisationen kooperiert und deren Arbeit durch Einkäufe und Materialspenden unterstützt.

Diese Hilfsangebote werden wir weiterhin fortsetzen, da sich die durch die Coronapandemie verursachte Misere weiter fortsetzen und auch noch verschlimmern wird. Insbesondere der Totalausfall des Tourismus hat zu einer drastischen Verringerung der Erwerbsmöglichkeiten geführt und immer mehr Familien stehen vor existentiellen Problemen. Sollten die Kindergärten – wie aktuell geplant – im Oktober wieder öffnen, werden wir auch die damit verbundenen Projekte wieder aufnehmen.

Detaillierte Informationen enthält der Tätigkeitsbericht 2019/20 des Vorstands.

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„Fogos Kinder“ in Coronazeiten

Die Aktivitäten unseres Vereins „Fogos Kinder“ haben sich in Zeiten der Pandemie verändert. Durch die Schließung der Schulen und Kindergärten ist das Projekt „Gesund im Mund“ mit Präventionsangeboten für Vorschulkinder und deren Familien zum Erliegen gekommen. Auch die Zahlung der Kindergartenbeiträge im Rahmen des Projektes „Kindergartenpatenschaften“ ist vorübergehend unterbrochen.

Auf der anderen Seite haben wir die Unterstützung für lokale Hilfsorganisationen deutlich ausgeweitet. Auf der Insel São Vicente sind ca. 160 Familien registriert, die in bitterster Armut leben. Die dort aktiven Hilfsorganisationen haben die Familien unter sich aufgeteilt. 20 Familien werden von den Dorcas betreut, einer karitativen Vereinigung der Adventisten und weitere 20 Familien von der Frauenvereinigung OMCV. Beide Organisationen erhalten regelmäßige Zuwendungen von Fogos Kinder, um notwendige Einkäufe für die Basisversorgung dieser Familien sicher zu stellen.

Dies ist in Coronazeiten von noch größerer Bedeutung als normalerweise. Das Abgleiten in Armut hat stark zugenommen, denn viele Geringverdiener haben auch noch ihre letzte Einnahmequelle verloren, insbesondere durch den Totalausfall des Tourismus. Gleichzeitig ist der Zufluss an Sach- und Geldspenden an die Hilfsorganisationen wegen der allgemeinen wirtschaftlichen Misere stark zurückgegangen.

Die Kapverden befinden sich seit dem 3. Juli auf der Liste der Risikoländer des Robert Koch Instituts, da die wöchentlichen Neuinfektionen insgesamt gesehen den Grenzwert überschreiten. Zwischen den einzelnen Inseln wird dabei nicht unterschieden, so dass auch diejenigen ohne Infektionsgeschehen von den Reisewarnungen betroffen sind. Die Behörden unternehmen viel, um die Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren, denn nur wenn die Kapverden von dieser Liste gestrichen werden, ist mit einer nennenswerten Zunahme zumindest der deutschen Touristen zu rechnen. So wurde beispielsweise vor einigen Tagen erneut eine allgemeine Maskenpflicht beim Aufenthalt in der Öffentlichkeit eingeführt.

Unsere besondere Aufmerksamkeit hat der Kindergarten Arco Iris im Problemstadtteil Bela Vista, denn die Mehrzahl der dort betreuten Kinder stammen aus Familien in prekären Lebenssituationen. Seit Anfang des Jahres wird dieser Kindergarten von den deutschen Lions Clubs Brilon und Olsberg unterstützt. Er ist zwar wie alle anderen geschlossen, aber wir nutzen die zur Verfügung stehenden Mittel, um 25 der bedürftigsten Familien mit Dingen des täglichen Bedarfs zu versorgen. Sie erhalten Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel (u.a. Seife, Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel) und einen kleinen Geldbetrag, um eigenständig Einkäufe machen zu können.

Darüber hinaus haben wir die Unterstützung behinderter Kinder und ihrer Familien durch unsere Zusammenarbeit mit der ADEF, einer Nichtregierungsorganisation, die sich für die Basisversorgung behinderter Menschen einsetzt, ausgeweitet.

Schließlich haben wir die Zuwendungen für die Kindertagesstätte Nha Nerina auf Fogo wieder aufgenommen. Nach einjähriger Zwangspause hatte das Nha Nerina im Februar neu eröffnet und wurde coronabedingt schon einen Monat später wieder geschlossen. Um Kindern aus prekären Lebenssituationen, die durch die Schulschließungen besonders betroffen sind, eine Orientierung zu bieten und der stark zunehmenden Verwahrlosung entgegenzuwirken, öffnete das Nha Nerina im Juni erneut seine Pforten und Fogos Kinder engagiert sich hier durch Materialspenden.

Und zum Schluss noch eine gute Nachricht: auf Fogo hat es geregnet – und das nicht nur ein bißchen, sondern richtig ergiebig. Die Hoffnung ist groß, dass in diesem Jahr zumindest die Landwirtschaft einen positiven Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung leisten kann.

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Es läuft … irgendwie

Gestern wurde die 1000er Marke überschritten. Mehr als 1000 Personen haben sich auf den Kapverden nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Davon ist etwa die Hälfte bereits wieder genesen und 8 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Wegen der strikten Unterbindung des Personentransportes zwischen den Inseln ist die Situation allerdings sehr uneinheitlich. Zentrum des Epedemie ist die Insel Santiago mit der Hauptstadt Praia sowie die Insel Sal. Die übrigen Inseln sind wenig oder gar nicht betroffen.

Auf Fogo ist bislang noch kein Fall von Covid 19 registriert worden. Allerdings muss generell mit einer hohen Zahl von unentdeckten Fällen gerechnet werden, da die ganz überwiegende Anzahl der Fälle asymptomatisch oder mit nur leichten Symptomen verläuft.

Sorgen bereitet der Bevölkerung die Wiederaufnahme des inländischen Flugbetriebes ab dem 1. Juli. Die Befürchtung ist groß, dass sich Covid 19 gerade wegen des häufig asymptomatischen Verlaufs damit auch auf Fogo und den anderen noch nicht betroffenen Inseln ausbreiten wird. Andererseit ist dies aber auch ein Zeichen der Normalisierung und trägt zur wirtschaftlichen Neubelebung bei.

Die Aussetzung internationaler Flüge wurde allerdings vor ein paar Tagen bis August verlängert. Der Tourismus liegt also weiterhin am Boden. Die Hoffnung ist, dass sich dieser für die Kapverden entscheidende Wirtschaftsbereich ab Herbst wieder beleben wird, denn direkt oder indirekt sind alle davon abhängig. Und gar nicht auszudenken, wenn zum Ausbleiben der Touristen auch noch ein weiteres Jahr ohne ausreichend Niederschlag hinzukommt und die Landwirtschaft ebenfalls nicht wieder auf die Füße kommt.

Die Schulen und Kindergärten bleiben voraussichtlich noch bis Oktober geschlossen. Das ist die aktuelle Beschlußlage des zuständigen Ministeriums. Neben der drastisch gestiegenen Erwerbslosigkeit hat auch das einschneidende Auswirkungen auf die Lage in vielen Familien. Betreuerinnen der Kindergärten suchen in besonders schwierigen Situationen die Familien auf und bringen Spielzeug und Material vorbei, um den Kontakt nicht abreissen zu lassen. „Fogos Kinder“ unterstützt sie dabei durch die Finanzierung der notwendigen Einkäufe.

In São Filipe hat die Kindertagesstätte Nha Nerina probe- und ausnahmsweise wieder eröffnet, um der Orientierungslosigkeit und zunehmenden Verwahrlosung der Kinder in prekären Lebenssituationen entgegenzuwirken. Auch hier helfen wir finanziell, damit den Kindern ein sinnvolles Angebot gemacht werden kann.

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Der Präsident hat gesprochen

Am 27. März hat der Staatspräsident Jorge Carlos Fonseca den Ausnahmezustand für alle kapverdischen Inseln erklärt, befristet bis zum 19. April. Seitdem herrscht eine strikte Ausgangssperre. Die Menschen müssen sich im Hause oder auf ihrem Grundstück aufhalten. Das wird von der Polizei und auch von Soldaten kontrolliert. Bei Übertretung werden Bußgelder verhängt und Fahrzeuge werden beschlagnahmt. Auch Kindergärten, Schulen und andere Bildungseinrichtungen sind geschlossen. Als zulässige Ausnahmen gelten das Einkaufen von Lebensmitteln oder Medikamenten in der Apotheke und ein unaufschiebbarer Besuch des Krankenhauses oder eines Gesundheitszentrums. Sonderregelungen gelten z.B. für die Müllabfuhr, Maßnahmen zu Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Personen mit einer Sondergenehmigung.


Der Personentransport zwischen den Inseln und ins Ausland ist vollständig untersagt. Die Stadtverwaltung ist für den Besucherverkehr geschlossen. Die Strassen sind gespenstisch leer, geöffnet haben nur Lebensmittelgeschäfte und Apotheken. Mangel herrscht allerdings nicht. Der Frachttransport und die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs funktioniert aktuell ohne größere Ausfälle.

Diese Maßnahmen erzeugen natürlich einen großen psychischen Druck in Familien, die oft mit vielen Personen auf kleinstem Raum leben und es gewohnt sind, sich überwiegend außerhalb des Hauses aufzuhalten. Hinzu kommen enorme wirtschaftliche Probleme, weil viele ihre Arbeit verloren haben – feste Arbeitsverträge mit der Aussicht auf Lohnfortzahlung sind eher selten. Für besonders hart betroffene Familien stellt die Stadtverwaltung Notfallpakete mit Grundnahrungsmitteln zur Verfügung. Der Verein Fogos Kinder setzt seine Hilfen für solche Familien fort, indem er die Arbeit der Hilfsorganisation Dorcas finanziell weiterhin unterstützt.

Aktuell gibt es auf den Kapverden 55 positiv getestete Personen, 51 davon haben sich direkt oder indirekt in einem Hotel auf Boa Vista angesteckt, in dem mehrere infizierte Europäer Urlaub gemacht haben. Einer dieser Urlauber ist dort auch gestorben. 3 Personen wurden in der Hauptstadt positiv getestet und eine Person in Mindelo auf São Vicente. Weitere Todesfälle wurden nicht registriert. Zu den Zahlen muss man einschränkend sagen, dass die Testkapazität vergleichsweise gering ist und die tatsächliche Zahl der infizierten Personen deutlich höher sein könnte. Eine Überlastungssituation gibt es in den Krankenhäusern bisher allerdings nicht.

Heute hat der Staatspräsident erneut eine mit Spannung erwartete Rede gehalten. Und er hat mitgeteilt, was von vielen schon befürchtet wurde: der Ausnahmezustand wird verlängert. Für die Inseln Santiago, Boa Vista und São Vicente bis zum 2. Mai und für alle anderen Inseln bis zum 26. April. Begründet wird das mit der Notwendigkeit, eine massenhafte Ausbreitung des Virus unter allen Umständen verhindern zu wollen. Darauf wäre das Land nur höchst unzureichend vorbereitet.

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Dorcas

Auch auf den Kapverden werden die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronaepidemie immer drastischer. Nachdem vor einer Woche alle Auslandsflüge für Reisende bis auf weiteres unterbunden wurden, ist aktuell auch der Personenverkehr zwischen den Inseln untersagt. Die öffentlichen Einrichtungen sind für Publikumsverkehr geschlossen, die Anzahl der Personen, die sich gleichzeitig in Lebensmittel-geschäften oder Apotheken aufhalten dürfen, ist stark eingeschränkt genauso wie das soziale Leben und die Wirtschaftstätigkeit insgesamt.

Die Regierung bemüht sich nach Kräften, der Bevölkerung die Notwendigkeit dieser Maßnahmen zu erklären, was nicht ganz einfach ist, weil es bisher nur sehr wenige bestätigte Infektionen gibt und auf den meisten Inseln gar keine. Aber diese rigorosen Beschränkungen sind schon deshalb sinnvoll, weil eine rasante Ausbreitung des Virus auf ein Gesundheitssystem treffen würde, das darauf nur sehr begrenzt vorbereitet ist.

Außerdem sind die Zahlen trügerisch, denn es wird nur wenig getestet und möglicherweise ist der Virus viel weiter verbreitet, als es den Anschein hat. Der Anteil der nicht erfassten Personen, der symptomfreien Infizierten und solcher mit leichten Erkältungserscheinungen ist sicher noch sehr viel höher als in Europa, wenn man bedenkt, dass das Durchschnittsalter der Bevölkerung auf den Kapverden ca. 16 Jahre beträgt. Die Gruppe der Ü60er mit einem erhöhten Risiko schwer zu erkranken ist also verhältnismäßig klein. In Deutschland beträgt das Durchschnittsalter dagegen 42 Jahre.

Besonders hart trifft es – wie immer in Krisenzeiten – die armen und oft kinderreichen Familien, die am Stadtrand in Blechhütten leben. Sie verlieren als erstes ihre Arbeit, wenn sie denn eine hatten, haben keine Rücklagen und Geld für Desinfektionsmittel, Seife oder Atemschutzmasken ist schlicht nicht vorhanden. Um diese Menschen kümmern sich die Dorcas, eine Hilfsorganisation der Adventistengemeinde. Sie haben regelmäßig Kontakt zu diesen Familien, führen z.B. Lebensmittel- und Bekleidungssammlungen durch und verteilen die Spenden in den Slums.

Fogos Kinder steht schon seit langem im Kontakt mit der Leiterin der Dorcas in Mindelo und bis zur Normalisierung der Lage werden wir die Arbeit der Dorcas mit monatlich 30.000 CVE (ca. 270,00 Euro) unterstützen. Schwerpunkt unserer Hilfe wird die Bereitstellung von Hygieneartikeln für bedürftige Familien sein, um sie bei der Bewältigung der aktuellen Krise zu unterstützen.

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