Der Präsident hat gesprochen

Am 27. März hat der Staatspräsident Jorge Carlos Fonseca den Ausnahmezustand für alle kapverdischen Inseln erklärt, befristet bis zum 19. April. Seitdem herrscht eine strikte Ausgangssperre. Die Menschen müssen sich im Hause oder auf ihrem Grundstück aufhalten. Das wird von der Polizei und auch von Soldaten kontrolliert. Bei Übertretung werden Bußgelder verhängt und Fahrzeuge werden beschlagnahmt. Auch Kindergärten, Schulen und andere Bildungseinrichtungen sind geschlossen. Als zulässige Ausnahmen gelten das Einkaufen von Lebensmitteln oder Medikamenten in der Apotheke und ein unaufschiebbarer Besuch des Krankenhauses oder eines Gesundheitszentrums. Sonderregelungen gelten z.B. für die Müllabfuhr, Maßnahmen zu Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Personen mit einer Sondergenehmigung.


Der Personentransport zwischen den Inseln und ins Ausland ist vollständig untersagt. Die Stadtverwaltung ist für den Besucherverkehr geschlossen. Die Strassen sind gespenstisch leer, geöffnet haben nur Lebensmittelgeschäfte und Apotheken. Mangel herrscht allerdings nicht. Der Frachttransport und die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs funktioniert aktuell ohne größere Ausfälle.

Diese Maßnahmen erzeugen natürlich einen großen psychischen Druck in Familien, die oft mit vielen Personen auf kleinstem Raum leben und es gewohnt sind, sich überwiegend außerhalb des Hauses aufzuhalten. Hinzu kommen enorme wirtschaftliche Probleme, weil viele ihre Arbeit verloren haben – feste Arbeitsverträge mit der Aussicht auf Lohnfortzahlung sind eher selten. Für besonders hart betroffene Familien stellt die Stadtverwaltung Notfallpakete mit Grundnahrungsmitteln zur Verfügung. Der Verein Fogos Kinder setzt seine Hilfen für solche Familien fort, indem er die Arbeit der Hilfsorganisation Dorcas finanziell weiterhin unterstützt.

Aktuell gibt es auf den Kapverden 55 positiv getestete Personen, 51 davon haben sich direkt oder indirekt in einem Hotel auf Boa Vista angesteckt, in dem mehrere infizierte Europäer Urlaub gemacht haben. Einer dieser Urlauber ist dort auch gestorben. 3 Personen wurden in der Hauptstadt positiv getestet und eine Person in Mindelo auf São Vicente. Weitere Todesfälle wurden nicht registriert. Zu den Zahlen muss man einschränkend sagen, dass die Testkapazität vergleichsweise gering ist und die tatsächliche Zahl der infizierten Personen deutlich höher sein könnte. Eine Überlastungssituation gibt es in den Krankenhäusern bisher allerdings nicht.

Heute hat der Staatspräsident erneut eine mit Spannung erwartete Rede gehalten. Und er hat mitgeteilt, was von vielen schon befürchtet wurde: der Ausnahmezustand wird verlängert. Für die Inseln Santiago, Boa Vista und São Vicente bis zum 2. Mai und für alle anderen Inseln bis zum 26. April. Begründet wird das mit der Notwendigkeit, eine massenhafte Ausbreitung des Virus unter allen Umständen verhindern zu wollen. Darauf wäre das Land nur höchst unzureichend vorbereitet.

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