Die Krise

Seit dem 20. März gibt es auch auf den Kapverden eine erste bestätigte Coronainfektion. Betroffen ist ein 62-jähriger englischer Tourist auf der Insel Boa Vista, die daraufhin komplett unter Quarantäne gestellt wurde und in den folgenden 14 Tagen für Reisende weder mit dem Schiff noch mit dem Flugzeug erreichbar ist bzw. verlassen werden kann. Lediglich die Güterversorgung wird nicht eingeschränkt.

Aber natürlich war die Epidemie hier auch vorher zu spüren. Die Regierung hat internationale Flüge gestrichen, viele Empfehlungen zum verantwortungsbewußten Verhalten wurden ausgesprochen und werden u.a. mit Lautsprecherwagen verbreitet. Außerdem wurden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um den physischen Kontakt zwischen den Menschen zu reduzieren. Nicht alle scheinen allerdings gut durchdacht. So dürfen sich in kleineren Supermärkten nur maximal 3 Kunden gleichzeitig aufhalten. Das führt dazu, dass sich Menschen in den Stoßzeiten vor der Tür drängen und ungeduldig auf Einlass warten.

Es fehlt an Desinfektionsmitteln, Mundschutz und Einmalhandschuhen und viele Lebensmittelgeschäfte sind dazu übergegangen, besonders begehrte Produkte wie Thunfischkonserven nur noch in begrenzter Stückzahl abzugeben, aber ansonsten ist die Versorgung der Bevölkerung aktuell nicht wesentlich beeinträchtigt.

Allerdings wird auch auf den Kapverden mit einer deutlichen Verschärfung der Situation gerechnet. Es ist wahrscheinlich, dass es bereits eine größere Anzahl unentdeckter Infektionen gibt, denn getestet werden nur dringende Verdachtsfälle mit einer ausgeprägten Symptomatik. Die Blutproben werden dann an Labore in Portugal geschickt und das Resultat wird nach einigen Tagen mitgeteilt.

Die Krankenhäuser bereiten sich vor so gut es eben geht und die Regierung verspricht finanzielle Unterstützung. Aber natürlich sind die Mittel in einem kleinen Schwellenland wie den Kapverden begrenzt. In Krisenzeiten konnte die Bevölkerung bisher immer auf die Unterstützung durch die wohlhabenden Emigranten in den USA und Europa zählen, aber die trifft diese Krise ja ebenfalls mit voller Wucht.

Der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig auf den Kapverden ist der Tourismus und der kommt gerade fast vollständig zum Erliegen – mit noch unabsehbaren Folgen für die davon betroffenen Einheimischen und ihre Familien und natürlich die mit dem Tourismus verbundenen Unternehmen – von TUI bis zum Taxifahrer.

Und dann gab es ja in weiten Landesteilen mangels Niederschlag in der letzten Saison auch noch einen Ernteausfall. Da ist die zweite wichtige Säule des Erwerbslebens bereits vor der Coronakrise weggebrochen. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, auf was für eine Krise das Land zusteuert.

Natürlich sind auch die Aktivitäten von Fogos Kinder betroffen. Bis Anfang dieser Woche hat unsere Mitarbeiterin Samira ihre Arbeit in den Kindergärten hier auf São Vicente noch fortgeführt. Dann wurden alle Kindergärten – genauso wie Schulen und Universitäten -geschlossen und in die verlängerten Osterferien geschickt. Auch das Programm zu Mundhygiene und Kariesvermeidung auf der Insel Fogo läßt sich im Moment nicht planen. Unklar ist, ob die Kindergärten nach den Osterferien wieder öffnen oder noch länger geschlossen bleiben.

Die Devise ist: möglichst zu Hause bleiben, Einkaufen mit Mundschutz, Händewaschen, Spaziergänge an unbelebten Stränden machen und auf bessere Zeiten warten.

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Ein Kommentar zu Die Krise

  1. Wiebke sagt:

    An solchen Kriesen sieht man : wir sitzen alle im gleichen Boot.
    Bleibt gesund!!!

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