Gesund im Mund im Nha Nerina

Das Fluoridierungsprojekt in der Kindertagesstätte Nha Nerina hat in den letzten Monaten unerwartete Wendungen genommen. Hier ein Zwischenbericht:

Nach Projektbeginn war die Anzahl der Neuanmeldungen im Nha Nerina sprunghaft angestiegen. Nach ca. einem Monat haben wir die Teilnehmerliste bei 80 geschlossen, denn es musste ja bei jedem Kind ein Interview und eine zahnärztliche Untersuchung durchgeführt werden. Nach Teilnahmeschluß sank die Anzahl der „Projektkinder“, die regelmäßig an der Fluoridierung teilnehmen, wieder deutlich ab. Diese Fluktuation ist u.a. deshalb sehr hoch, weil der Wohnort und die Familien, in denen sich die Kinder aufhalten, oft wechseln.

Gleichzeitig gab es aber natürlich weiter Neuankömmlinge. Um diese nicht zu diskriminieren, erhielten auch sie eine Zahnbürste und haben jeden Donnerstag ebenfalls Zähne geputzt – allerdings nicht mit der Fluoridierungszahncreme Elmex Gelee sondern mit Colgate. Unsere Mitarbeiterin Samira macht außerdem einmal im Monat eine Sensibilisierungsaktion mit Spielen, Malen, kleinem Quiz u.ä.

Im Juni war die Anzahl der „Neuen“ schon deutlich höher, als die der Projektkinder und da das Thema „Zahnpflege“ nun in aller Munde war, entstand der Wunsch auf Seiten der Kinder(!), täglich Zähne zu putzen. Da alle ja eine Zahnbürste haben, konnte dieser Wunsch von den Mitarbeitern der Tagesstätte relativ leicht umgesetzt werden. Ab Beginn der Sommerferien wird jetzt Donnerstags fluoridiert und an den übrigen 4 Wochentagen mit Colgate geputzt – eine unerwartete Entwicklung und ein toller Erfolg. Möglicherweise reicht ja dieser Impuls, um das Zähneputzen im Nha Nerina dauerhaft zu implementieren.

Auf Grund der hohen Fluktuation der Kinder im Nha Nerina steht allerdings zu befürchten, dass unser Plan, einen Vorher-Nachher-Vergleich durchzuführen, nicht umgesetzt werden kann. Bei Projektende im Dezember werden nur noch wenige der Kinder, die an der Eingangsuntersuchung teilgenommen haben, erreichbar sein.

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Armut

Das neue Schuljahr lääuft seit 10 Tagen und die Unterstützung durch die großen Hilfsorganisationen wie z.B. den dänischen Börnefonden reicht bei weitem nicht aus, um alle bedürftigen Kinder mit Schulmaterial zu versorgen.

Da viele sozial benachteiligte Kinder aus der Tagesstätte Nha Nerina auf die Grundschule „Pedro Cardoso“ gehen, haben wir mit der Leiterin Orlanda gestern für die Bedürftigsten ihrer Schüler Lehrbücher, Hefte und Schreibgeräte gekauft.

An dieser Stelle mal ein Wort zu Armut. Sie ist oft nur schwer zu erkennen, denn arme Menschen tun auf den Kapverden (fast) alles dafür, sie zu verbergen. Nur so kann man sich die Hoffnung erhalten, eines Tages der Misere zu entrinnen.

Wenn eine Frau ihre Unterkunft verlässt, ist sie oft top gestylt, alle Details stimmen, die Fußnägel sind bemalt, die Augenbrauen gezupft und auch ein Smartphone ist dabei, Guthaben hat es allerdings nicht. Die Kinder werden in die besten Klamotten gesteckt, die zur Verfügung stehen und das Haar der Töchter ist kunstvoll geflochten.

Zu Hause schläft man mit 5 anderen Familienmitgliedern in einem Raum auf einer Decke auf dem Betonboden, eine Toilette gibt es nicht, man wäscht sich mit Wasser aus dem Eimer und zum Frühstück gibt es Billigkekse und einen Becher Milch aus Milchpulver.

Bekleidung, Schuhe, Billigschmuck und ältere Smartphones stehen zur Verfügung, denn einmal im Jahr kommt ein Fass mit abgelegten Sachen der „reichen“ Verwandschaft aus Übersee. Geld für den täglichen Bedarf ist jedoch Mangelware. Ab und zu kann man eine Gelegenheitsarbeit ergattern, aber das ist weder planbar noch ausreichend. Eine Krankenversicherung kann man nicht bezahlen und wenn ein Arztbesuch unumgänglich wird, ist das eine finanzielle Katastrophe. Und dann ist auch ein Kindergartenbeitrag von 3,00 Euro im Monat schon zu viel.

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Mindelo

In den letzten 2 Wochen haben wir auf der Insel São Vicente Kontakte zu verschiedenen Sozial- und Jugendhilfeeinrichtungen geknüpft, um herauszufinden, ob und wie der Verein „Fogos Kinder“ auch dort aktiv werden kann. Und um es vorweg zu sagen: überall wurden wir mit offenen Armen empfangen.

Als erstes waren wir bei unserer Partnerorganisation OMCV (Kapverdische Frauenvereinigung) und haben mit Leiterin Fatima Balbina gesprochen, die uns ihre uneingeschränkte Unterstützung zugesichert hat. Die OMCV unterhält u.a. einen Kindergarten mit ca. 50 Kindern in Belavista, einem Stadtteil von Mindelo.

Sra. Fatima hat uns dann weitergereicht an Sra. Amelia, die Leiterin der Stiftung für Soziale Solidarität auf São Vicente.

Diese Stiftung besteht seit der Selbständigkeit der Kapverden und unterhält u.a. 3 riesige Kindergärten mit insgesamt ca. 800 Kindern. Einer davon in einem ziemlich verrufenen Viertel am Rande der Stadt, das man abends besser nicht besucht. Er war allerdings, wie die anderen auch, wegen der Sommerferien noch nicht in Betrieb. Die Mitarbeiterinnen nutzten diese Zeit zum Großreinemachen. 

Die Ausstattung dieser Kindergärten erschien uns vergleichsweise gut, denn die großen Einrichtungen verfügen – ähnlich wie auf Fogo – über gute Kontakte zu ausländischen Sponsoren.

Anders dagegen die kleineren Kindergärten in den Ortschaften außerhalb Mindelos. Sozialarbeiter Alveno machte mich z.B. auf den Kindergarten „Piduca“in dem Fischerdorf San Pedro ganz im Süden der Insel aufmerksam. Dieser Kindergarten wurde 2008 von einer Bürgerinitiative gegründet und wird von einem gemeinnützigen Verein verwaltet. Ca. 40 Kinder werden dort von zwei Mitarbeiterinnen betreut. Wie die Leiterin Zulmira sagte, fließen die Hilfen aus öffentlichen Kassen nur sporadisch, aber eine schlichte Mahlzeit kann fast immer angeboten werden. Die Ausstattung mit Spielzeug ist allerdings sehr spärlich und vieles kann man eigentlich nur als „Schrott“ bezeichnen.

Die Vorstellung, nach der Mahlzeit mit den Kindern gemeinsam Zähne zu putzen, war für Zulmira überraschend, fiel aber auf sehr fruchtbaren Boden. Sie meinte, mit einer solchen Kampagne würde eine ganz neue Dynamik bei den Mitarbeiterinnen und Eltern entstehen und auch ihre beiden jungen Kolleginnen wären sicher begeistert. …und sie fragte, ob wir in der nächsten Woche anfangen könnten.

Dann besuchte ich im Rathaus noch Risolinda, die Leiterin des Sozialamtes von Mindelo und zuständig für die gesamte Insel São Vicente. Auch hier stieß ich auf offene Türen. Risolinda sagte u.a., sie kenne keinen Kindergarten auf São Vicente, in dem regelmäßig Zähne geputzt werden. Natürlich wäre das eine tolle Sache, würde aber bislang noch nicht umgesetzt. Wenn wir in dieser Richtung etwas bewegen könnten, hätte dies sicher Signalcharakter und könnte zu einer deutlichen Qualitätsverbesserung in der Arbeit der Kindergärten führen. Im Januar möchte sie uns gerne weitere Kindergärten z.B. in der Ortschaft Salamansa zeigen, in denen Hilfe am dringlichsten benötigt wird.

… und zum Schluß noch ein Foto mit Seltenheitswert: Mindelo im Regen. Das kommt nur ein oder zwei Mal im Jahr vor. 

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Das Ferienlager des Nha Nerina

In diesem Jahr hat das Kapverdische Institut für Kinder und Heranwachsende (ICCA) gemeinsam mit dem Verein „Fogos Kinder“ ein Ferienlager für die Tagesstätte Nha Nerina veranstaltet, in der Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen betreut werden. Es fand vom 22.8 bis 26.8. in der Ortschaft As Hortas im Kindergarten der Kirchengemeinde São Lourenco statt und 30 Kinder nahmen teil.

„Fogos Kinder“ finanzierte das Ferienlager als Hauptsponsor und unsere Sozialarbeiterin Samira Alves beteiligte sich an der Vorbereitung, stand eine Woche lang als pädagogische Kraft zur Verfügung und organisierte Spielnachmittage mit vereinseigenem Spielzeug, das von Förderern von „Fogos Kinder“ gespendet wurde.

Die Organisation lag in der Hand von Vanilda Correia, der Regional-leiterin des ICCA. Im Verlauf des Feriencamps wurden Aktivitäten und Veranstaltungen zu verschiedenen Themenschwer-punkten angeboten.

Der Leiter des Regionalkranken-hauses São Filipe, Luis Sanchez, sprach mit den Kindern und Jugendlichen über ihre häuslichen Probleme und die Gefahr von Alkohol und Drogen. Eine Zahnärztin des Gesundheitsamts hielt einen Vortrag über Mundhygiene und Zahnpflege und an zwei Tagen wurde das Ferienlager von einer Gruppe von Praktikanten aus Portugal unterstützt .

Am Donnerstag war das Fernsehen zu Gast und berichtete über das Ferienlager in einem Beitrag in den 20-Uhr-Nachrichten.

Für die Kinder und Jugendlichen war das Ferienlager das Highlight des Sommers in einem sonst ziemlich tristen Alltag. Und die Betreuer gingen wie immer bei solchen Anlässen zum Schluss auf dem Zahnfleisch.

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Keine sauren Gurken

Der August ist alles andere als Saure-Gurken-Zeit. Gerade haben wir die diesjährige Spendenaktion für Kindergartenpatenschaften bei betterplace auf den Weg gebracht. Die finalistas haben die Kindergärten im Juli verlassen und im September kommen die neuen Kinder. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass „Fogos Kinder“ Patenschaften für bedürftige Kinder übernimmt. Es sind bereits einige Spenden eingegangen und wir sind optimistisch, dass es mehr werden und wir – neben den weiter bestehenden Patenschaften – auch wieder eine ganze Reihe neuer Patenschaften übernehmen können.

Dann haben wir die Musikinstrumente aus unserer Spendenaktion zugunsten der Musikgruppe São Lourenço an Padre Samuel übergeben. Sie gehören jetzt offiziell der Kirche und werden der Musikgruppe zur Verfügung gestellt. Im einzelnen handelt es sich um ein Akkordeon, ein Xylophon, eine Cajon, eine kleine Djembé, zwei Mundharmonikas und diverse Percussioninstrumente. Der Dank war überschwenglich und das breite Grinsen im Gesicht der angehenden Musiker zeigte, dass er von Herzen kam.

Musiklehrer Agostinho sagte, dass sein Unterricht mit diesen neuen Instrumenten viel interessanter werden und noch mehr Jugendliche anlocken würde. Außerdem stellte sich heraus, dass der Vater eines Teilnehmers ein guter Akkordeonspieler ist. Er freute sich besonders, seine Fähigkeiten jetzt an die nächste Generation weitergeben zu können.

Daneben läuft die Vorbereitung des Feriencamps für die Kinder der Tagesstätte Nha Nerina auf vollen Touren. Es wird von dem Kapverdischen Institut für Kinder und Heranwachsende (ICCA) und „Fogos Kinder“ veranstaltet und ca. 33 Kinder werden vom 22.8. – 28.8. daran teilnehmen.

Das Feriencamp findet im Kindergarten von As Hortas statt, der dafür von der Kirchengemeinde São Lourenço zur Verfügung gestellt wurde. Derzeit werden die Familien der teilnehmenden Kinder von Sozialarbeiterin Samira und Kollegin Ana abgeklappert, um eine schriftliche Zustimmung der Bezugspersonen einzuholen. Soviel Ordnung muss sein!

Und über allem liegt eine allgemeine Nervosität, denn der August geht seinem Ende entgegen und es hat immer noch nicht geregnet. Die Optimisten haben schon ausgesäht, alle anderen wollen noch abwarten. Schon wieder ein Jahr ohne Ernte wäre eine ziemliche Katastrophe.

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