Die Musikanten von São Lourenço

In der letzten Woche wurde ich vom Leiter einer Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen angesprochen, die sich im Ort São Lourenço (ca 6 km von São Filipe entfernt) seit Jahresbeginn in einem Raum zum gemeinsamen Musizieren treffen. Sie haben auch einen versierten Musiklehrer, aber es fehlt an Instrumenten. Zwei Mitglieder haben eine eigene Gitarre und die elektrische Orgel der Kirche kann benutzt werden. Dann gibt es noch mehrere C-Flöten aus Plastik und eine Conga, das war’s.

Ich wurde gefragt, ob der Verein „Fogos Kinder“ etwas für diese Gruppe tun könnte und ich bin ebenso wie auch Monika und Wiebke vom Vorstand der Meinung, dass diese Initiative wirklich Unterstützung verdient. 

Jetzt sind wir also auf der Suche nach geeigneten Instrumenten, die sich in einem Paket oder im Reisegepäck transportieren lassen. Wir denken da so an Flöten und andere Blasinstrumente, kleinere Trommeln, Bongo, Triangel, Klanghölzer, Xylophon, Ukulele, Mundharmonika etc. Die Instrumente wollen wir in die Obhut der Kirche geben, so dass sie von allen Mitgliedern der Musikgruppe genutzt werden können.

Wenn dem geneigten Leser also dazu was ein- oder in die Hände fällt, schreibt bitte an fogos-kinder@gmx.de oder nutzt unsere Vereinsadresse für ein Paket:

Fogos Kinder, c/o Monika Kienass, D-24937 Flensburg, Teichstr. 17

Beim Abschied wurde mir übrigens noch zugeraunt „Das Geilste wäre ein Akkordeon“

Außerdem ist heute „Der Tag des afrikanischen Kindes“ und das haben wir zum Anlaß genommen, in der Kindertagesstätte Nha Nerina einen auszugeben. Einen Kuchen nämlich aus der unglaublichen Bäckerei von Maria Augusta.

Und wie es der Zufall wollte hat heute auch noch Adilson Geburtstag und so ist er unverhofft nicht nur zu einem Ständchen, sondern auch zu einer Geburtstagstorte gekommen.

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Korbball im Congresso 2

Bei unseren Einsätzen im Inland von Fogo kommen wir fast täglich an der von „Fogos Kinder“ mitfinanzierten Streetballanlage vorbei. Sie hat sich wie erhofft drei Wochen nach ihrer Einweihung zu einem Anziehungspunkt für die Jugendlichen des Viertels Congresso entwickelt. Jeden Tag ab vier Uhr, wenn die Sonne nicht mehr so knallt, treffen sich hier Jungs aus dem Umfeld und Spieler des Basketballvereins, trainieren, veranstalten kleine Turniere und offenbar werden es immer mehr.

Und die nächste Straßenbeleuchtung steht zufällig so günstig, dass das Spielen auch bei Dunkelheit möglich ist.

Paulo Pina, Lehrer, Maler und Vorsitzender des Basketballvereins, ist mehr als zufrieden mit dieser Entwicklung. „Es läuft alles ganz unkompliziert. Die Kids fühlen sich hier zu Hause und ganz nebenbei ergeben sich neue Kontakte und manchmal auch ernstere Gespräche. Und die Jungs vom Verein kommen gerne hierher zum trainieren. Auch für sie ist es eine interessante Erfahrung.“

Mit vergleichsweise geringem Aufwand wird viel erreicht und die ersten Erfahrungen sind eindeutig positiv. Der Bürgermeister Luis Pires hat bereits seine Bereitschaft bekundet, an ein oder zwei weiteren Standorten eine ähnliche Anlage zu errichten und „Fogos Kinder“ wird sich wieder beteiligen. Die Situation ist günstig, denn im November sind Kommunalwahlen und da kann eine gute Publicity nicht schaden.

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Im Februar 2023 gibt es eine schlechte und eine gute Nachricht:

  • Es ist bei der einen Anlage im Congresso III geblieben. Bei den Kommunalwahlen gab es einen Wechsel der politischen Mehrheiten und das Vorhaben, weitere Anlagen zu errichten, ist im Sande verlaufen.
  • Die Anlage im Congresso III wird weiterhin viel genutzt und vom örtlichen Basketballverein gepflegt.
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Korbball im Congresso

Mit schwerem Gerät und viel manpower wurde in den letzten Wochen ein bislang ungenutzter Platz im Stadtteil  III Congresso ausgebaut, in den dann eine von „Fogos Kindern“ finanzierte Streetballanlage integriert wurde. Ziemlich genau 2 Jahre nach den ersten Gesprächen mit dem Bürgermeister über dieses Projekt hat die Stadtverwaltung ihr Versprechen nun wahr gemacht.

Neben der Streetballanlage gibt es eine Reihe von Sitzbänken und einen Bereich für andere sportliche Aktivitäten oder Musikveranstaltungen. Mit der Begrünung soll nach der Regenzeit begonnen werden.

In seiner Einweihungsrede ermunterte der Bürgermeister die Jugendlichen dieses als problematisch geltenden Stadtteils, von der Anlage regen Gebrauch zu machen und versprach, die notwendigen Bälle zur Verfügung zu stellen. Außerdem kündigte er an, auch in anderen Stadtvierteln ähnliche Anlagen zu installieren.

Der Verein „Fogos Kinder“ hat zusammen mit dem lokalen Basketballverein dieses Projekt entwickelt, um für ausgegrenzte Jugendliche dieses Stadtteils einen Kontaktpunkt zu schaffen.  Trainer des Basketballvereins wollen regelmäßig mit ihnen spielen, Tricks und know-how vermitteln und so zu einer Reintegration der Jugendlichen beitragen.

Wenn sich dieses Projekt als erfolgversprechend erweist, wird sich unser Verein auch an der Installation weiterer Anlagen beteiligen.

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Fogos Kinder machen Theater

Im Kinderhort „Nha Nerina“ werden Kinder aus schwierigen Familien-verhältnissen betreut und dort arbeitet auch der Lehrer Inhuco. Er hilft bei den Hausaufgaben, gibt Nachhilfestunden und hat eine Leidenschaft: Theater spielen. So haben Inhuco und Samira in den letzten Monaten mehrere kleine Theaterstücke entwickelt, die mit den Kindern des Hortes und einer benachbarten Schule eingeübt wurden. Es geht um Themen wie Gewalt in der Familie, Mundhygiene, Umweltbewusstsein und die Rechte und Pflichten von Kindern.

Das Stück über häusliche Gewalt klappt schon gut und wurde bereits am Tag der Familie in Achada Furna gespielt. Gestern gab es eine Aufführung der besonderen Art: sie fand auf Einladung des Amtsgerichts im Innenhof des Gefängnisses von São Filipe statt. Es war gerade Besuchstag und viele Frauen und Angehörige der Gefangenen waren anwesend. Und das Thema war brisant, denn nicht wenige der Insassen wurden genau deswegen verurteilt: häusliche Gewalt im Zusammenhang mit übermäßigem Alkoholkonsum.
Es gab viele Lacher, aber dem einen oder anderen ist das Lachen auch im Halse stecken geblieben. Nach dem Theaterstück hielt Inhuco noch eine flammende Ansprache gegen Alkohol- und Drogenmissbrauch und redete den Zuschauern ins Gewissen, sich weniger über die schlechten Lebens-bedingungen zu beklagen, sondern mehr aktiv an der Gestaltung der eigenen Zukunft zu arbeiten.

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Kinderarzt Gorris bei der Arbeit

Endlich war es wieder soweit: nach dem Bestehen meiner Facharztausbildung sollte es wieder nach Fogo gehen. Mein letzter Einsatz für das Projekt „Gesundheitsberatung für Familien mit Kindern“ war im März 2013 gewesen. Damals war ich zum ersten Mal auch im ländlichen Bereich des Kreises Sao Filipe tätig geworden und hatte festgestellt, dass der Bedarf an Gesundheitsberatung umso größer war, je weiter der Ort von der Stadt Sao Filipe entfernt liegt.

Am 19. April 2015 traf ich also auf Fogo ein. Der Einsatz sollte am 22. April anfangen und mit dem Kindergarten in Achada Mentirosa beginnen. Die Organisatoren Mike Goike und Samira Alves vor Ort hatten gute Vorarbeit geleistet. Denn wie immer, auf den Kapverden läuft nichts wie geplant. Kurzfristig war die Zahl der beweglichen Ferientage vor dem Fest zum 1. Mai erhöht worden. In den Ferien sind alle Kindergärten geschlossen und die Mitarbeiter haben frei, aber gerade dann sollten die Untersuchungen stattfinden. Anerkennenswert ist es, dass in den meisten Kindergärten Frauen bereit waren für einen Tag trotzdem zukommen und bei der Durchführung zu helfen.

Die Einladungen waren von  Samira schon vorher an die bedürftigen Familien überbracht worden. Ohne den Einsatz der Kindergärtnerinnen, die alle und jeden im Dorf kennen, läuft nichts. Mein Einsatz war beim Gesundheitsamt und dem Leiter des Krankenhauses in Sao Filipe angekündigt und ausdrücklich als erwünscht begrüßt worden. So stand meiner Tätigkeit nichts mehr im Wege. Insgesamt war ich an 9 Orten im Einsatz und habe mehr als 120 Kinder untersucht, ausgerüstet mit Stethoskop, Otoskop, meinen Sinnen und Fähigkeiten.

Die Kinder wurden meist von der Mutter oder sonstigen Anverwandten wie Tante, Schwester, Cousine oder Oma aber auch der Nachbarin begleitet.  In einem Kindergarten hatte eine übermotivierte Kindergärtnerin nur gesunde Kinder eingeladen, um einen guten Eindruck zu machen. Sowohl Kinder als auch Begleitpersonen waren sehr gut angezogen und herausgeputzt. Ich frug mich, was ich da eigentlich soll….. Es gab kaum Behandlungsbedarf, bis auf den einen oder anderen Hautpilz.

Ansonsten sah ich viele Fälle von psychomotorisch auffälligen Kindern verschiedenster Ausprägung und Ursache. Angaben zu Schwangerschafts- und Geburtsverlauf und über die weitere motorische Entwicklung nach der Geburt sind grösstenteils sehr schwierig zu eruieren, da bei meiner Sprechstunde die Mutter oft nicht zugegen war und die Begleitperson dazu keine Angaben machen konnte. Andere Kinder wiederum zeigten das Bild einer Gedeihstörung, auffällig dadurch, dass die Parameter Gewicht und Größe nicht zum Alter passten. Manchen Fall habe ich ins Krankenhaus zur weiteren Behandlung und Diagnostik überwiesen, wobei die Möglichkeiten dort auch eingeschränkt sind.

Die häufigsten Krankheitsbilder waren folgende:

Hautpilz

ich habe die Begleitpersonen aufgeklärt über den Infektionsweg, allgemeine Hygiene und Vorbeugung. Behandlung ist kaum möglich, da sich die Kinder immer wieder gegenseitig anstecken.

Bauchschmerzen 

bei allen Kindern fandt sich ein ausgeprägter vorgewölbter Blähbauch. Zurückzuführen ist das auf die einseitige Ernährung mit Reis und Bohnen. Da kommen dann Hausmittel zur Anwendung, die mein medizinisches Weltbild ins Wanken brachten. Z.B. wird gelöste Vulkanasche und Knoblauchwasser verabreicht.

Kopfschmerzen

vermutlich wird zu wenig Wasser getrunken. Auf Fogo trinken auch die Kinder schon Kaffee. 2 Fälle waren auf Grund der Krankengeschichte typisch für eine Migräne.

Asthma

Am 3. Tag meiner Arbeit wurde ein Junge mit einem lebensbedrohlichen Asthmaanfall zu mir gebracht. Da ich kein zugelassener Arzt auf Fogo bin darf ich keine Medikamente verabreichen und hatte auch keine dabei. Das Kind wurde von mir mit dem Taxi ins Krankenhaus gebracht und eine sofortige Behandlung wurde eingeleitet. Dieses Erlebnis veranlasste mich, sofort einige Medikamente zu kaufen, um eine Notfallbehandlung durchführen zu können. Auch das Gesundheitsamt sah diese Notwendigkeit sofort ein.

Jetzt zum Abschluss des Einsatzes schaue ich mit Zufriedenheit zurück auf meine Arbeit. Natürlich stelle ich Vergleiche zu Deutschland an. Wie viel mehr Möglichkeiten gibt es für die Gesundheit der Kinder bei uns. Es ist so traurig zu sehen, welche körperlichen Schäden entstehen, nur weil keine regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen durchgeführt werden. So manches Kind hätte sich besser entwickeln können. Hier ist vieles anders. Manche Fälle sind für die Ärzte hier normal, die ich in meiner bisherigen Laufbahn in Deutschland selten oder nie gesehen habe.

Die Arbeit hat mir sehr viel Spass gemacht. Samira hat mir sehr gut geholfen und hat alles prima organisiert!  Aber nicht nur das Fachliche hat mir Spaß gemacht, sondern auch portugiesisch zu sprechen. Das ist mittlerweile zu meiner großen Leidenschaft geworden.

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