Eine Woche waren unser Vereinsmitglied Julia Drewes und ihr Mann Karsten, seines Zeichens Zahnarzt, zu Besuch auf São Vicente. Es sollte eine Mischung aus Urlaub und sozialem Engagement werden und so kam es auch.
Karsten hat in 3 Kindergärten alle Kinder hinsichtlich Kariesbefall und Mundhygiene untersucht und wir haben die Ergebnisse in einen Informationsflyer eingetragen und an die Eltern weitergegeben.
Zwei Dinge fand Karsten bemerkenswert:
die Mundhygiene war gar nicht so schlecht, aber trotzdem wiesen viele Kinder eine weit fortgeschrittene Karies auf. Das lässt auf einen hohen Konsum von Süßigkeiten schließen.- nicht in einem Fall wurde ein erkrankter Milchzahn bereits behandelt. Geld für die Versorgung eines kranken Zahnes auszugeben, der in ein paar Jahren sowieso ausfällt, ist offenbar für die Eltern die pure Verschwendung. Und wenn die Schmerzen zu groß werden, wird er eben gezogen.
In beiden Fällen kann eine Verbesserung nur durch Aufklärung und Überzeugung erreicht werden ….. wir arbeiten daran.
An einem Nachmittag haben wir 2 Einrichtungen besucht, die auf ganz unterschiedliche Weise behinderte Kinder unterstützen.
Die CACVE ist eine Tagesstätte für Kinder mit Zerebralparese. Sie wird von der Srtadtverwaltung betrieben, besteht seit 2 Jahren und bietet Platz für 24 Kinder. Julia, die selbst Leiterin einer sozialen Einrichtung in Deutschland ist, war von der guten Ausstattung und Organisation beeindruckt.
Die Leiterin der CACVE erläuterte, dass die Probleme der Einrichtung in den laufenden Kosten lägen. Miete, Wasser, Strom und die Gehälter der Mitarbeiter seien gesichert, aber es gäbe kein Geld für Hygieneartikel wie Windeln und Einmalhandschuhe oder pädagogisch/therapeutisches Verbrauchsmaterial. Auch die stundenweise Beschäftigung eines Physiotherapeuten musste gestrichen werden.
Wir haben aus unserem kleinen Lager geeignetes Spielzeug zur Verfügung gestellt und Karsten hat 250 Einmalhandschuhe gespendet. In welcher Weise wir darüberhinaus unterstützen können, hängt davon ab, ob wir zusätzliche Mittel mobilisieren können.
Die zweite Einrichtung (ADEF) ist eine Nichtregierungsorganisation, besteht seit mehr als 15 Jahren und ist schwerpunktmäßig auf den Inseln São Vicente, São Nicolau und Santo Antão vertreten. Sie ist Anlaufstelle für behinderte Menschen und Familien mit behinderten Kindern und kümmert sich um deren Belange in vielfältiger Weise.
Ein behindertes Kind stellt für viele Familien ein zusätzliches Armutsrisiko dar, weil u.U. eine ständige Betreuung im Hause gewährleistet werden muss und Erwerbstätigkeit nicht möglich ist. Deshalb ist die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln und z.B. Windeln in Form eines monatlichen Carepakets eine der wichtigsten Hilfen, die die ADEF anbietet. Aktuell können 70 solcher Pakete monatlich verteilt werden. Der Bedarf liegt allerdings um ein Vielfaches höher und die Auswahl der Begünstigten ist eine heikle Entscheidung.
Darüberhinaus werden die Familien hinsichtlich bestehender Hilfsangebote und Rechte beraten und auf Wunsch bei Behördengängen und Arztbesuchen begleitet. Sofern Geld zur Verfügung steht oder Sponsoren gefunden werden, können Zuschüsse zu notwendigen Behandlungen oder Hilfsmitteln wie Prothesen gegeben werden. Auch die Vermittlung von Patenschaften für behinderte Kinder und Erwachsene gehört zu den Zielen dieser Organisation.
Bei unserem Besuch haben wir der Leiterin Alicia 200 Kinderzahnbürsten und Zahnpastatuben überlassen, mit denen sie die Carepakete für Familien mit behinderten Kindern ausstatten will. Außerdem haben wir Unterstützung in besonders schwierigen Einzelfällen in Aussicht gestellt. In welchem Umfang das möglich ist, ist ebenfalls davon abhängig, welche Mittel uns zur Verfügung stehen werden.

Und dann waren wir noch zum samstäglichen Kinderfußballtraining in Salamansa, um unser Fußballprojekt voranzubringen. Ca. 35 Jungen und Mädchen unter 12 Jahren waren da und trainierten in 2 Gruppen. Nach dem Abschlußspiel gab es noch Gruppenfotos und alle sind gespannt, was es wohl mit dem Besuch der Weißen auf sich hat.
Mit dem Präsidenten Amilcar vereinbarten wir, dass das Material für ein Holzregal für den Abstellraum und für die beiden Kleinfeldtore in der nächsten Woche besorgt wird und mit dem lokalen Schmied wurden Einzelheiten der Konstruktion besprochen und eine Materialliste zusammengestellt.
Die aus Deutschland versandten Fässer mit Trikots, Bällen und weiterem Spendenmaterial müssten demnächst auch eintreffen und voraussichtlich werden wir dann im November die Tore, Fußballschuhe und das übrige Material offiziell übergeben.
Außerdem wird unsere Sozialarbeiterin Samira im November für 14 Tage nach Fogo reisen und dort in acht von uns begleiteten Kindergärten unser Mundhygiene-präventionsprogramm für Kinder und Eltern durchführen und neue Verträge über Kindergartenpatenschaften abschließen.
Der Verein „Fogos Kinder e.V.“ wurde im August 2012 von 13 Menschen gegründet, denen das Schicksal der Kinder der kapverdischen Insel Fogo am Herzen liegt. Er wurde als gemeinnütziger Verein in das Flensburger Vereinsregister eingetragen. Als Partnerorganisation des Vereins auf den Kapverden wurde die Nichtregierungsorganisation „Vereinigung Kapverdischer Frauen“ (OMCV) gewonnen, mit der bereits eine mehrjährige Zusammenarbeit bestand.
Die Schulen haben schon lange geschlossen, die Kindergärten noch viel mehr, die Familien zieht es ans Meer nach Bahia das Gatas oder an den Stadtstrand Laginha und wer kann, verpieselt sich ins Ausland – so auch wir. Sommerloch eben.
Für die meisten Schulkinder sind die Sommerferien schon ausgebrochen, nur die Examenskandidaten müssen noch büffeln und schwitzen. In den Kindergärten stehen jetzt die finalistas im Mittelpunkt. Für sie gibt es in 14 Tagen eine Abschlußfeier mit vielen kleinen Darbietungen, Liedern und Ansprachen und also wird geübt was das Zeug hält. Und die Kochfrau grübelt darüber, wie sie mit den begrenzten Mitteln ein möglichst üppiges Buffet zusammenstellen kann.
Am 1.Juni war der Tag des Kindes. Er ist auf den Kapverden gesetzlicher Feiertag und wird aufwändig gefeiert.
Mit anderen Worten, mehr als die Hälfte der Bevölkerung sind Kinder und Jugendliche und wenn die Vormittagsschicht in den Schulen um 12:30 Uhr zu Ende geht, ergießt sich eine riesige Schar Kinder und Heranwachsender über die Stadt. Und sie sind gut zu erkennen, denn Schuluniform ist Pflicht.
Bis zur 6. Klasse ein schlichter blauer Kittel, bei den weiterführenden Schulen dann ein etwas modischerer Zweiteiler in den jeweiligen Schulfarben. Und da das smartphone auch hier mittlerweile zum ständigen Begleiter der Jugendlichen geworden ist, ist man als Autofahrer gut beraten, der Kopf-unten-Generation eine verminderte geistige Präsenz im Straßenverkehr zuzubilligen.
Wie immer bei festlichen Veranstaltungen ist die ganze Stadt auf den Beinen. Nur der Kindergarten in Calhau konnte sich wegen chronischen Geldmangels keinen Transport der Kinder in die Stadt leisten. Da ist „Fogos Kinder“ spontan eingesprungen und hat einen Bus gechartert.
Musikalische Darbietungen unterschiedlichster Art nehmen einen breiten Raum ein. Höhepunkt und Abschluß der Feierlichkeiten bildet der Auftritt des städtischen Blechblasorchesters mit einem weiten Spektrum von Marschmusik bis Pippi-Langstrumpf-Adaptationen.


